Baugrunderkundung – Mühsal oder Notwendigkeit?

Die Baugrunderkundung. Ein Schlagwort, das vielen Bauherren seitens der Behörden im Zuge des Einreichverfahrens entgegengebracht und eingefordert wird. Doch was ist der Sinn dahinter?

Seit der Erfindung des Internets und dem damit ständig wachsenden öffentlich zugänglichen Informationsangebot, hat man auch auf den Behörden darauf gesetzt, möglichst einfache und verständliche Geographische Informationssysteme (kurz GIS) zu veröffentlichen. Der Sinn dahinter ist ein einfacher: mit „Doris“, „NÖ-Atlas“ und Co. sollen auch der breiten Bevölkerung eine Ersteinschätzung über eine Vielzahl an relevanten Informationen aus den digitalen Karten zu Teil und damit der Behördenandrang verringert werden.

Seit 2014 wurde in Oberösterreich daher mit der Ausarbeitung einer Gefahrenhinweiskarte für gravitative Massenbewegungen begonnen und diese von externem Fachpersonal für jede Gemeinde erstellt. Die Erkenntnisse daraus können sich sehen lassen: neben den Gefährdungen durch Wildbäche, Flüssen oder Gräben durch Hochwässer können auch die Rutschungsgefährdung, das Setzungsrisiko oder vergangene Massenbewegungsereignisse einfach und rasch abgerufen werden. Im Jahr 2021 kam auch noch die Hangwasserkarte hinzu, weshalb das „Doris“-System österreichweit zu den Vorreitern der öffentlichen GIS Systeme gezählt werden kann.

Bei der Lage eines Grundstückes innerhalb oder randlich eines ausgewiesenen Gefahrenbereiches empfehlen wir grundsätzlich immer eine Baugrunderkundung durchzuführen. Im Normalfall sind hierfür Baggerschürfe oder einfache Sondierungen ausreichend, um für das Bauvorhaben eine ausreichende Abschätzung bezüglich des unmittelbaren Untergrundes abgeben zu können.

Sollte es sich beim Bauvorhaben um komplizierte Hochbauten (Brücken, mehrstöckige Häuser, Firmenhallen etc.) oder tiefe Bauwerke (z.B. Parkgaragen oder tiefe Kellergeschosse) empfehlen wir auch außerhalb von markierten Gefahrenbereichen eine speziell auf das Bauvorhaben abgestimmte Baugrunderkundung.

Der Umfang einer Baugrunderkundung richtet sich dabei immer auf das Bauvorhaben selbst und wird im geltenden Eurocode 7 (ÖNORM EN 1997-2) geregelt. Jedenfalls sollten dadurch Erkenntnisse hinsichtlich der Untergrundbeschaffenheit im Gründungsbereich (zumindest Baugrubensohle), Grundwasserverhältnisse, bodenmechanische Parameter (Bodenkennwerte) sowie allgemeine abfallwirtschaftliche Erkenntnisse (z.B. notwendige Deponierung) gewonnen werden. Gegebenenfalls sind auch weitere Untersuchungen in Laboratorien betreffend der chemischen Zusammensetzung des Untergrundes oder boden- und felsphysikalische Versuche notwendig.

Stellt man die Vor- und Nachteile einer Baugrunderkundung gegenüber, so überwiegen hier eindeutig erstere. Eine Baugrunderkundung liefert bereits vor oder während den Detailplanungen wichtige Erkenntnisse und stellt die Basis weiterer Planungen dar. Sie verhindert im Normalfall kurzfristige Umplanungen während des Baus und verhindert daher Verzögerungen und eine Kostenexplosion. Durch die Erkenntnisse über den Untergrund können bereits vorab entsprechende Risiken kalkuliert und im Kostenrahmen berücksichtigt werden. Durch die erkundeten Ergebnisse lässt sich zudem die Gründungsart sowie die zu optimalen Baumaterialien im Vorfeld festlegen, ohne dass es später zu schwierigen Umdisponierungen oder Kostenerhöhungen kommen muss.

Fazit: eine gut geplante Baugrunderkundung im Zuge des Planungsprozesses schafft Gewissheit für eine sorgfältige Planung, eine unbeschwerte Baudurchführung und Zufriedenheit bei der späteren Bauwerksnutzung. Zudem beläuft sich der Kostenanteil für eine Baugrunderkundung im Vergleich zum Gesamtbauvorhaben in einem kleinen Prozentbereich.

Wie immer beraten wir Sie gerne unverbindlich – gerne auch vor Ort auf Ihrem Traumgrundstück!

Gregor Weichselbaumer MSc.

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